Landreform


Wenn man die heutige ungerechte Landverteilung Guatemala erklären möchte, muss man zunächst ein Stück in die Geschichte des Landes zurückblicken. Während des zweiten Weltkrieges regierte auch in Guatemala ein faschistisch gesinnter Diktator, Jorge Ubico. Einer Allianz aus reformistischen Offizieren, Studenten und mittelständischen Berufsleuten gelang es im Oktober 1944, diesen zu stürzen. Nach dem Sturz von Ubico wurde der Hochschulprofessor Juan José Arévalo der erste demokratisch gewählte Präsident Guatemalas. Seine Reformen betrafen in erster Linie die Arbeiterschaft und den städtischen Sektor im Allgemeinen, während er sich nicht getraute, gegen die Interessen der mächtigen Großgrundbesitzer vorzugehen. Das Agrarland war zu dieser Zeit extrem ungleich verteilt, und ein großer Teil der indianischen Bevölkerungsmehrheit lebte in Zuständen, die der Sklaverei ähnelten. Die politische Macht war in den Händen der Großgrundbesitzer konzentriert, welche häufig wenig effizient produzierten. Arevalo’s Nachfolger, Jacobo Arbenz - ein Sohn schweizerischer Einwanderer aus dem nahe der deutschen Grenze gelegenen Andelfingen – begann daher  ab 1951 mit einer Landreform, indem er größere Ländereinen gegen Entschädigung zwangsenteignete und an ärmere, vor allem indigene  Familien übertrug. Damit berührte er nicht nur direkt die Interessen der heimischen Großgrundbesitzer, sondern auch jene der amerikanischen United Fruit Company, welche in Guatemala riesige Ländereien, vorwiegend Bananenplantagen besaß und damals rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung Guatemalas kontrollierte.  Als diese bei der amerikanischen Regierung erfolgreich gegen Arbenz als kommunistischen Eiferer Stimmung machte, war dessen Schicksal besiegelt. Am 27. Juni 1954 wurde er, 3 Jahr zuvor von einer überwältigenden Mehrheit von 65 Prozent der Wähler zum Präsidenten bestimmt,  durch einen von der CIA organisierten Putsch gestürzt. Mit dem Sturz von Arbenz ging ein kurzer guatemaltekischer Frühling zu Ende. Es war zugleich der Beginn eines langjährigen brutalen Bürgerkrieges, der bis 1996 andauerte und  rund 100 000 Menschen das Leben kostete.

Erst 1982 erkannte auch die US-Regierung in einem internen Bericht von USAID, die Entwicklungsorganisation der amerikanischen Regierung, an, dass die Bemühungen von Jacobo Arbenz zur Modernisierung des Landes  „gemäßigt und fortschrittlich“ waren.

Es sollte jedoch nochmals gut 20 Jahre dauern, ehe zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Regierung Guatemalas ein Programm über die staatliche Entwicklungsorganisation „Fondo de Tierras“ (wörtlich übersetzt Stiftung für das Land) initiierte, dessen Ziel es ist (Zitat aus der Homepage von Fondo de tierras), „Bauern und indigenen Familien, die in Armut leben, den Zugang zu Land und die Regulierung staatlicher Grundstücke zu erleichtern, was zur integralen und nachhaltigen ländlichen Entwicklung in den Gemeinden beiträgt.“ (El objetivo del Fondo de Tierras es facilitar el acceso a la tierra y la regularización de tierras del Estado a familias campesinas e indígenas en situación de pobreza, que contribuya al desarrollo rural integral y sostenible en comunidades).

Auch viele Familien aus der Gegend um Cabricán nutzten dieses Programm, um Grundstücke auf Fincas von ehemaligen Großgrundbesitzern zu erwerben. Das Land musste also käuflich erworben werden, wobei Fondo de Tierra den indigenen Familien mit Preisnachlässen und langfristigen zinslosen Darlehen entgegen kam. Pedro half damals natürlich ebenfalls mit, seinen Familien aus Cabricán den Erwerb zu erleichtern und sie vor allem in der neuen Lebensumgebung und der ungewohnten Rolle als Landeigentümer zu unterstützen. Seitdem sind wir in den beiden Fincas Neu-Cabricán und Neu-Candelaria engagiert und begleiten die Familien mit agrarökonomischen Projekten.  

Neu Cabricán       Amapa Candelaria